In Italien studieren: Der komplette Leitfaden für internationale Studierende

Als Ausländer in Italien studieren: einkommensabhängige Gebühren, englischsprachige Studiengänge, Einschreibung über Universitaly, Stipendien, Visum und Kosten.

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Italien gehört zu den günstigeren Orten in Europa, um einen anerkannten Abschluss zu machen, und immer mehr Studiengänge werden komplett auf Englisch angeboten. Staatliche Hochschulen berechnen die Studiengebühren nach einer gleitenden Skala, die an das Familieneinkommen gekoppelt ist – viele internationale Studierende zahlen deshalb ein paar Hundert bis wenige Tausend Euro im Jahr statt der Zehntausende, die in Großbritannien oder den USA üblich sind. Dieser Leitfaden geht den gesamten Weg durch: die Wahl der Hochschule, die Einschreibung über Universitaly, die Finanzierung, das Studentenvisum, das Ankommen sowie das Arbeiten während und nach dem Studium.

Er verweist außerdem auf vier ausführliche Guides, die jede Etappe vertiefen. Lies zuerst diese Seite für den Überblick und folge dann den Links zu dem Teil, den du als Nächstes brauchst.

Warum in Italien studieren?

Das wichtigste Argument sind die Kosten. An staatlichen Hochschulen werden die Gebühren anhand deines angegebenen Familieneinkommens und -vermögens festgelegt, und zwar über ein Dokument namens ISEE (Einkommens- und Vermögensnachweis; mehr dazu weiter unten und im Leitfaden zu Stipendien in Italien). Studierende aus einkommensschwächeren Haushalten zahlen oft nur die Regionalsteuer und die Stempelgebühr, während höhere Einkommensklassen immer noch weit weniger zahlen als an privaten Einrichtungen anderswo. Seit 2024/2025 stellen viele staatliche Hochschulen die niedrigsten Einkommensstufen unter der nationalen „No-Tax-Area"-Regel zudem komplett von den Gebühren frei, jährlich von jeder Hochschule bestätigt; prüfe das offizielle Portal studyinitaly.esteri.it und die Gebührenseite der jeweiligen Hochschule.

Das Angebot an englischsprachigen Studiengängen ist stark gewachsen. Du findest komplette Bachelor- und Masterstudiengänge auf Englisch in Ingenieurwesen, Wirtschaft, Design, Informatik, Medizin und den Naturwissenschaften, besonders an den größeren Universitäten und technischen Hochschulen. Für die Einschreibung brauchst du dafür kein Italienisch, auch wenn ein paar Grundkenntnisse den Alltag deutlich erleichtern.

Neben dem Studium bietet Italien fürs Geld eine hohe Lebensqualität: gut angebundene Städte, guter Nahverkehr, bezahlbares Essen und den Zugang zum Rest des Schengen-Raums fürs Reisen. Die studentische Gesundheitsversorgung ist nach der Registrierung zugänglich, und viele Städte haben große internationale Studierendengemeinschaften.

Italien ist nicht die einzige günstige Option in Europa. Wenn du Ziele vergleichst: Die staatlichen Hochschulen in unserem Leitfaden In Deutschland studieren erheben ebenfalls niedrige oder gar keine Studiengebühren, mit einem anderen Finanzierungs- und Visumssystem.

Der Weg im Überblick

Die Route von „interessiert" bis „eingeschrieben und in Italien lebend" hat sechs Etappen. Jede hat ihren eigenen Guide; das ist die Reihenfolge, in der sie ablaufen.

EtappeWas du tustMehr dazu
1. Hochschule wählenStudiengänge auswählen und Eignungstests prüfenUniversitäten in Italien
2. Vorimmatrikulation über UniversitalyBewerbung im nationalen Portal einreichenUniversitäten in Italien
3. Finanzierung findenDSU-, Staats- und Leistungsstipendien beantragenStipendien in Italien
4. Studentenvisum beantragenVisum Typ D beim zuständigen Konsulat beantragenStudentenvisum für Italien
5. Ankommen und einlebenPermesso di soggiorno, Codice fiscale, KrankenversicherungStudentenvisum für Italien
6. Arbeiten und bleibenTeilzeitarbeit, dann eine Umwandlung in eine ArbeitserlaubnisArbeiten in Italien

Schritt 1: Hochschule und Studiengang wählen

Fang damit an, was du studieren willst und in welcher Sprache. Italien hat eine Mischung aus großen Volluniversitäten (Bologna, Sapienza in Rom, Padua, Statale in Mailand), technischen Hochschulen (Politecnico di Milano, Politecnico di Torino) und spezialisierten Einrichtungen (Bocconi für Wirtschaft und Management, Scuola Normale in Pisa für Forschung). Jeder Studiengang nennt seine eigenen Zulassungsvoraussetzungen, und einige Fächer nutzen nationale Eignungstests: den IMAT für englischsprachige Medizin und die TOLC-Tests für viele Bachelorstudiengänge. Unser Leitfaden zu Universitäten in Italien zeigt, wer wofür bekannt ist und wie die Tests funktionieren.

Schritt 2: Vorimmatrikulation über Universitaly

Fast jede Bewerberin und jeder Bewerber von außerhalb der EU muss vor der Bearbeitung des Studentenvisums durch das Konsulat eine Vorimmatrikulation im nationalen Portal universitaly.it abschließen. Dort wählst du deinen Studiengang, lädst deine Dokumente hoch, und die gewählte Hochschule bestätigt deine Bewerbung. Diese Vorimmatrikulation ist das Dokument, das das Konsulat prüft, sie muss also vor der Buchung deines Visumtermins erledigt sein. Die Fristen unterscheiden sich je nach Hochschule und liegen für einen Herbststart meist im Frühjahr oder Sommer – prüfe den Termin auf der Seite deines Studiengangs also früh.

Schritt 3: Finanzierung klären

Die Finanzierung in Italien kommt aus mehreren verschiedenen Quellen. Regionale Stellen für das „Recht auf Bildung" (DSU) vergeben einkommensabhängige Stipendien und Unterkünfte auf Basis deines ISEE, der italienische Staat bietet internationalen Studierenden MAECI-Stipendien, und einzelne Hochschulen führen Leistungsstipendien. Der Leitfaden zu Stipendien in Italien erklärt den ISEE und den ISEE Parificato (die Version, die du erhältst, wenn dein Einkommen im Ausland erwirtschaftet wird), der sowohl deine Gebührenstufe als auch deine DSU-Berechtigung bestimmt.

Schritt 4: Studentenvisum beantragen

Nicht-EU-Studierende, die länger als 90 Tage bleiben, brauchen ein nationales Studentenvisum Typ D. Du beantragst es bei der für dein Land zuständigen italienischen Botschaft oder dem Konsulat – mit deiner Universitaly-Vorimmatrikulation, dem Nachweis einer Unterkunft, dem Nachweis ausreichender Mittel und einer Krankenversicherung. Die offiziellen Voraussetzungen findest du auf vistoperitalia.esteri.it. Die vollständige Dokumentenliste und die Höhe des Finanzierungsnachweises stehen im Leitfaden zum Studentenvisum für Italien.

Schritt 5: Ankommen und einleben

Mit der Landung bist du noch nicht fertig. Innerhalb von 8 Werktagen nach deiner Ankunft musst du mit dem in ausgewiesenen Postämtern erhältlichen Kit einen Permesso di soggiorno (Aufenthaltstitel) beantragen und danach einen Termin bei der örtlichen Questura (Polizeipräsidium) wahrnehmen. Du brauchst außerdem einen Codice fiscale (Steuernummer) für fast alles, vom Handyvertrag bis zum Mietvertrag, und du solltest dich für die Gesundheitsversorgung registrieren. Der Schritt-für-Schritt-Ablauf plus eine Aufschlüsselung der Lebenshaltungskosten nach Stadt steht im Leitfaden zum Studentenvisum für Italien.

Schritt 6: Arbeiten während und nach dem Studium

Ein Studien-Aufenthaltstitel erlaubt Teilzeitarbeit bis zu einer begrenzten Stundenzahl, was bei den Lebenshaltungskosten hilft. Nach dem Abschluss kannst du deinen Titel in eine Arbeitserlaubnis umwandeln, innerhalb des Zuwanderungsquotensystems (Decreto Flussi) einen Job suchen oder für höher qualifizierte Stellen eine Blaue Karte EU beantragen. Der Leitfaden zum Arbeiten in Italien behandelt die Stundengrenze, den Umwandlungsprozess, gefragte Branchen und wie sehr es auf die italienische Sprache ankommt.

Was es insgesamt kostet

Dein Gesamtbudget sind Studiengebühren plus Lebenshaltungskosten. Die Gebühren an einer staatlichen Hochschule sind einkommensabhängig und oft moderat; private Hochschulen wie die Bocconi verlangen deutlich mehr, bieten aber eigene Stipendien. Die Lebenshaltungskosten hängen stark von der Stadt ab, wobei Mailand und Rom weit teurer sind als Bologna, Pisa oder Städte im Süden. Ein grober landesweiter Rahmen für Studierende wird für 2024/2025 oft mit etwa 700 bis 1.200 Euro pro Monat inklusive Miete angegeben, das schwankt aber je nach Stadt und Lebensstil erheblich; der Leitfaden zum Studentenvisum für Italien schlüsselt die Miete nach Stadt auf. Behandle jede einzelne Zahl immer als Schätzung und prüfe die aktuellen Kosten vor Ort.

Bereite deine Bewerbung frühzeitig vor

Ein starkes Bewerbungspaket zählt in jeder Phase: Die Hochschule will einen klaren Lebenslauf und eine Motivation, Stipendienstellen wollen Belege für deinen Werdegang, und italienische Arbeitgeber erwarten ein bestimmtes Lebenslauf-Format, sobald du dich auf Jobsuche begibst. Italien setzt stark auf den Europass-Standard, es lohnt sich also, deinen Lebenslauf vor der Ankunft in dieses Format zu bringen. Prezumi bietet einen kostenlosen Europass-Konverter, einen kostenlosen ATS-Checker, mit dem du testest, wie Bewerbermanagement-Software deinen Lebenslauf liest, und saubere Lebenslauf-Vorlagen, die du für Hochschul- wie Jobbewerbungen anpassen kannst.

FAQ

Kann ich als Ausländer in Italien kostenlos studieren?

An den meisten Hochschulen nicht ganz kostenlos, aber es kann sehr günstig sein. Die Gebühren an staatlichen Hochschulen richten sich über den ISEE nach deinem angegebenen Familieneinkommen, und die niedrigsten Einkommensstufen sind unter den „No-Tax-Area"-Regeln oft von den Gebühren befreit. In Kombination mit einem DSU-Stipendium, das die Lebenshaltungskosten deckt, zahlen manche Studierende wenig für die Gebühren selbst. Siehe den Leitfaden zu Stipendien in Italien.

Muss ich Italienisch sprechen, um in Italien zu studieren?

Nicht für englischsprachige Studiengänge, die es in vielen Fächern an den größeren Universitäten gibt. Du musst weiterhin den Englischnachweis des Studiengangs erfüllen, in der Regel IELTS oder TOEFL. Ein paar Italienischkenntnisse sind für Alltag, Behördengänge und Teilzeitarbeit dringend zu empfehlen.

Wie lange dauert der ganze Prozess?

Plane den Großteil eines Jahres ein. Die Vorimmatrikulation über Universitaly läuft für einen Herbststart im Frühjahr oder Sommer, danach der Visumtermin, dann die Ankunft und die 8-Tage-Frist für den Permesso di soggiorno. Beginne Monate vor der Frist deines Studiengangs mit dem Zusammenstellen der Dokumente.

Was ist der ISEE und warum ist er so wichtig?

Der ISEE ist ein offizielles Maß für Einkommen und Vermögen deines Haushalts, das italienische Hochschulen zur Festlegung der einkommensabhängigen Gebühren und DSU-Stellen zur Vergabe von Stipendien nutzen. Internationale Studierende erhalten üblicherweise über eine autorisierte Stelle einen ISEE Parificato. Er wird ausführlich im Leitfaden zu Stipendien in Italien erklärt.

Kann ich während des Studiums in Italien arbeiten?

Ja. Ein Studien-Aufenthaltstitel erlaubt Teilzeitarbeit bis zu einer begrenzten Stundenzahl pro Woche. Nach dem Abschluss kannst du in eine Arbeitserlaubnis umwandeln. Die Regeln, die Stundengrenze und die Optionen nach dem Studium stehen im Leitfaden zum Arbeiten in Italien.

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