In Deutschland studieren: Der komplette Leitfaden für internationale Studierende

An staatlichen Unis in Deutschland studierst du fast kostenlos – auch als Ausländer. Der komplette Weg: Uni-Wahl, Zulassung, Finanzierung, Visum und Arbeiten.

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Deutschland ist eines der wenigen wohlhabenden Länder, in dem ein starkes Hochschulstudium nahezu kostenlos ist – und das gilt selbst dann, wenn du von außerhalb der EU kommst. Staatliche Hochschulen erheben in den meisten Bundesländern keine Studiengebühren, sondern nur einen kleinen Semesterbeitrag. Du bekommst einen angesehenen Abschluss, danach einen starken Arbeitsmarkt und eine echte Chance, nach dem Studium zum Arbeiten im Land zu bleiben.

Dieser Leitfaden geht den gesamten Weg von Anfang bis Ende durch und verweist dann auf vier ausführlichere Guides zu den Teilen, die mehr Details brauchen: Stipendien, die Auswahl und Bewerbung an Hochschulen, das Studentenvisum und das Arbeiten während und nach dem Studium.

Warum Deutschland?

Das wichtigste Argument sind die Kosten. An staatlichen Hochschulen in den meisten Bundesländern zahlen internationale Studierende für ein Erststudium keine Studiengebühren. Du zahlst weiterhin einen Semesterbeitrag, typischerweise irgendwo zwischen 150 und 350 Euro je nach Hochschule, in dem oft ein regionales ÖPNV-Ticket enthalten ist. Prüfe den genauen Betrag immer auf der Seite deiner Hochschule, denn er variiert und ändert sich.

Es gibt eine bekannte Ausnahme. Das Land Baden-Württemberg (Heimat von Heidelberg, Stuttgart und dem KIT) hat für Nicht-EU-Studierende wieder Studiengebühren eingeführt und verlangt in den letzten Jahren rund 1.500 Euro pro Semester. Prüfe auf dem offiziellen Portal study-in-germany.de die aktuelle Liste der Bundesländer und Gebühren, bevor du dich festlegst.

Neben den Kosten ist es die Qualität und das, was danach kommt. Der deutsche Ingenieurbau, die Naturwissenschaften und die angewandte Forschung genießen weltweit Gewicht, und das Land hat einen strukturellen Fachkräftemangel – ein deutscher Abschluss ist also ein echter Weg zu einer Karriere in Europa.

„Keine Studiengebühren" heißt nicht „kein Geld nötig". Du musst nachweisen, dass du dich ein Jahr lang selbst finanzieren kannst, bevor das Visum erteilt wird – das ist der größte Einzelposten im Budget. Der Leitfaden zum Studentenvisum erklärt das Sperrkonto und die Lebenshaltungskosten im Detail.

Der Weg, Schritt für Schritt

Ausgeschrieben wirkt der Weg lang, aber er folgt einer klaren Reihenfolge. Bring jeden Schritt in Ordnung, bevor du zum nächsten weitergehst.

1. Hochschule und Studiengang wählen

Entscheide dich zwischen einer forschungsorientierten Universität und einer praxisnäheren Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Die Fachhochschulen haben engere Verbindungen zur Industrie und integrierte Praktika, was zu dir passen kann, wenn das Ziel ein Job nach dem Abschluss ist.

Entscheide auch über die Unterrichtssprache. Hunderte Masterstudiengänge und immer mehr Bachelorstudiengänge werden vollständig auf Englisch angeboten. Deutschsprachige Studiengänge sind genauso kostenfrei, verlangen aber einen Deutschnachweis auf hohem Niveau.

Unser Leitfaden zu Universitäten in Deutschland schlüsselt die besten Hochschulen auf, wofür jede bekannt ist und welche Sprachtests sie anerkennen.

2. Zulassungsvoraussetzungen erfüllen

Die zentrale Frage ist, ob dein Schulabschluss als dem deutschen *Abitur* gleichwertig anerkannt wird. Für viele Länder ist er nicht direkt gleichwertig, und du brauchst eventuell ein Jahr am *Studienkolleg* (Vorbereitungskurs), bevor du dich für einen Bachelor einschreiben kannst.

Studierende aus mehreren Ländern (darunter Indien, China und Vietnam) brauchen außerdem ein APS-Zertifikat, das ihre akademischen Unterlagen prüft, bevor sie sich bewerben können. Prüfe auf study-in-germany.de, ob dein Land betroffen ist.

3. Finanzierung klären

Dass die Studiengebühren nahe null liegen, macht das Geld zum Leben nicht überflüssig. Plane dein Budget rund um Miete, Krankenversicherung und den Finanzierungsnachweis fürs Visum.

Stipendien können einen großen Teil davon abdecken. Der DAAD, das Deutschlandstipendium, Erasmus+ sowie die parteinahen und kirchlichen Stiftungen fördern alle internationale Studierende. Der Leitfaden zu Stipendien in Deutschland erklärt, für wen jedes Programm gedacht ist und was es abdeckt.

4. Studentenvisum beantragen

Wenn du von außerhalb der EU/des EWR kommst, brauchst du fast sicher ein Studentenvisum, und die zentrale Voraussetzung ist der Nachweis, dass du dein erstes Jahr finanzieren kannst. Das läuft meist über ein Sperrkonto, auf das du die Lebenshaltungskosten eines Jahres einzahlst, die dir dann monatlich freigegeben werden.

Der Leitfaden zum Studentenvisum für Deutschland führt durch das Sperrkonto, die Krankenversicherung, die Aufenthaltserlaubnis, in die du das Visum nach der Ankunft umwandelst, und was das Jahr je nach Stadt tatsächlich kostet.

5. Wohnung finden und ankommen

Studentenwohnheime werden von den örtlichen *Studierendenwerken* betrieben und sind die günstigste Option, aber die Wartelisten sind lang – bewirb dich also, sobald du eine Zusage hast. Private WGs (*Wohngemeinschaften*) sind die übliche Alternative. Innerhalb von zwei Wochen nach dem Einzug musst du deine Adresse beim örtlichen *Bürgeramt* anmelden (diese Registrierung heißt *Anmeldung*) – du brauchst sie danach für fast alles.

6. Arbeiten, während und danach

Du darfst während des Studiums in begrenztem Umfang arbeiten, und nach dem Abschluss kannst du eine 18-monatige Aufenthaltserlaubnis beantragen, um im Land zu bleiben und einen Job in deinem Fach zu suchen. Der Leitfaden zum Arbeiten in Deutschland behandelt die Stundengrenzen, die *Werkstudenten*-Tätigkeit, die Aufenthaltserlaubnis zur Jobsuche nach dem Studium und die Blaue Karte EU.

Wie lange dauert das Ganze?

Plane großzügig. Von „Ich möchte in Deutschland studieren" bis zur Ankunft auf dem Campus ist ein Jahr Vorlauf realistisch und nicht übertrieben.

PhaseGrober Zeitrahmen vor Studienbeginn
Sprachtest + Dokumente vorbereiten (APS falls nötig)6–12 Monate vorher
Hochschulbewerbungenbis zur Frist (oft Mitte Januar oder Mitte Juli)
Zulassungsbescheid erhalten1–3 Monate nach der Frist
Sperrkonto + Visumterminsobald du zugelassen bist
Visumentscheidungmehrere Wochen bis einige Monate
Wohnung + Ankunftdie letzten Wochen

Visumtermine an deutschen Auslandsvertretungen sind in manchen Ländern Monate im Voraus ausgebucht. Fang an dem Tag, an dem du dich zur Bewerbung entscheidest, mit der Terminsuche an – nicht erst am Tag deiner Zulassung.

Bachelor, Master oder Promotion?

Auf welcher Stufe du einsteigst, verändert den Weg stärker, als viele denken.

Beim Bachelor ist die größte Hürde die Anerkennung deiner Qualifikation. Wenn dein Schulabschluss nicht dem deutschen *Abitur* gleichwertig ist, brauchst du eventuell zuerst ein Jahr am *Studienkolleg*, und die meisten Bachelorstudiengänge sind auf Deutsch – dein Sprachniveau zählt also früh. Plane Deutschunterricht lange vor deiner Bewerbung ein.

Ein Master ist für viele internationale Studierende der Idealfall. Es gibt Hunderte englischsprachige Masterstudiengänge, das Studium ist kostenfrei, und du kommst mit einem Abschluss in der Tasche an, was die Anerkennung vereinfacht. Auch die Stipendien häufen sich auf dieser Stufe, besonders der DAAD und die Stiftungsförderungen aus dem Stipendien-Leitfaden.

Eine Promotion in Deutschland ist oft eine bezahlte Forschungsstelle statt eines gebührenpflichtigen Studiengangs, das heißt, du bist unter Umständen Angestellte oder Angestellter mit Gehalt und Sozialleistungen statt zahlende Studentin oder zahlender Student. Wenn Forschung dein Ziel ist, gehört das zu den besser finanzierten Wegen in Europa.

Häufige Fehler, die du vermeiden solltest

Ein paar Fehler bringen jedes Jahr ansonsten starke Bewerbende zu Fall.

  • „Kostenfreies Studium" mit „kostenlos" verwechseln. Die Lebenshaltungskosten und der Finanzierungsnachweis sind das eigentliche Budget. Plane sie von Tag eins an ein.
  • Die frühen Fristen für Internationale verpassen. Viele Studiengänge schließen für internationale Bewerbende Monate vor den üblichen Terminen im Juli oder Januar. Rechne von der jeweiligen Frist des Studiengangs rückwärts.
  • Das APS-Zertifikat ignorieren. Wenn dein Land eines verlangt, kannst du dich ohne nicht bewerben, und die Beschaffung dauert. Prüfe das zuerst, nicht zuletzt.
  • Den Visumtermin zu spät buchen. In mehreren Ländern ist der Termin, nicht die Papiere, der Engpass. Sichere dir so früh wie möglich einen Slot.
  • Deutsch für einen englischsprachigen Studiengang auslassen. Du kannst auf Englisch studieren, aber Alltag und spätere Jobsuche laufen mit der Sprache deutlich besser. Fang unabhängig von deiner Kurssprache an zu lernen.

Was das Leben kostet

Abgesehen von den Studiengebühren sind deine eigentlichen Kosten die Lebenshaltung, und die schwankt stark je nach Stadt. München und Frankfurt sind teuer; kleinere Städte in Ostdeutschland sind deutlich günstiger. Als Planungsgröße ist der Finanzierungsnachweis, den der Staat fürs Visum festlegt (rund 11.900 Euro pro Jahr, Stand 2024 laut den offiziellen Quellen), ein sinnvolles Monatsbudget, an dem du dich orientieren kannst. Bestätige den aktuellen Betrag auf make-it-in-germany.com. Der Visum-Leitfaden enthält eine Miettabelle nach Städten.

Bereite deine Bewerbungen frühzeitig vor

Ob du dich für ein Stipendium, einen *Werkstudenten*-Job oder eine Stelle nach dem Abschluss bewirbst – du brauchst einen sauberen, gut strukturierten Lebenslauf. Deutschland hat seine eigenen Konventionen für den *Lebenslauf*, und die meisten europäischen Arbeitgeber und Stipendiengeber akzeptieren oder bevorzugen das Europass-Format.

Mit Prezumis Lebenslauf-Vorlagen erstellst du kostenlos einen ATS-tauglichen Lebenslauf, wandelst ihn mit dem kostenlosen Europass-Konverter in den europäischen Standard um und prüfst mit dem kostenlosen ATS-Checker, wie er gegen eine Stellenanzeige abschneidet. Der Leitfaden zum Arbeiten in Deutschland erklärt die deutschen Lebenslauf-Normen vollständig.

Wenn Deutschland auf deiner engeren Liste steht, aber noch nicht feststeht, lohnt sich der Vergleich mit In Italien studieren, das seinen eigenen Mix aus niedrigen Gebühren und englischsprachigen Studiengängen hat.

FAQ

Ist das Studium in Deutschland für internationale Studierende wirklich kostenlos?

An staatlichen Hochschulen in den meisten Bundesländern ja – für ein Erststudium gibt es keine Studiengebühren, auch nicht für Nicht-EU-Studierende. Du zahlst nur einen Semesterbeitrag von etwa 150 bis 350 Euro. Die Hauptausnahme ist Baden-Württemberg, das Nicht-EU-Studierenden rund 1.500 Euro pro Semester berechnet; prüfe die aktuellen Regeln auf study-in-germany.de.

Muss ich Deutsch sprechen, um dort zu studieren?

Nicht für englischsprachige Studiengänge, von denen es Hunderte gibt, besonders auf Masterebene. Für deutschsprachige Kurse brauchst du Deutsch, und es macht Alltag und Jobsuche deutlich leichter. Selbst in einem englischsprachigen Studiengang ist das Erlernen der Sprache eine der besten Investitionen, die du für ein Bleiben danach machen kannst.

Wie viel Geld muss ich für das Visum nachweisen?

Du musst in der Regel nachweisen, dass du etwa ein Jahr Lebenshaltungskosten decken kannst, festgelegt auf rund 11.900 Euro (Stand 2024), meist über ein Sperrkonto. Der genaue Betrag wird regelmäßig aktualisiert, bestätige ihn also auf make-it-in-germany.com, bevor du das Konto eröffnest. Den vollständigen Ablauf findest du im Leitfaden zum Studentenvisum.

Kann ich während des Studiums arbeiten?

Ja, in Grenzen. Internationale Studierende dürfen meist eine begrenzte Zahl an Tagen oder Stunden pro Jahr arbeiten, und *Werkstudenten*-Stellen sind für Teilzeitarbeit beliebt und gut bezahlt. Der Leitfaden zum Arbeiten in Deutschland behandelt die aktuellen Grenzen und die besten Arten von Studentenjobs.

Kann ich nach dem Abschluss in Deutschland bleiben?

Ja. Absolventinnen und Absolventen deutscher Hochschulen können eine 18-monatige Aufenthaltserlaubnis beantragen, um einen zum Abschluss passenden Job zu suchen, und nach einer Anstellung zu einer Arbeitserlaubnis oder Blauen Karte EU wechseln. Das ist eines der stärksten Argumente Deutschlands für internationale Studierende. Details stehen im Leitfaden zum Arbeiten in Deutschland.

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